Im Herbst 2009 rollt eine Streikwelle durch Deutschland, die schon im Juni des Jahres vom bundesweiten Bildungsstreik eingeleitet wurde. Schüler und Studenten wehren sich dagegen, dass die Bildung den Bedürfnissen des Markts angepasst wird und immer mehr zur Ware wird, die es zu bezahlen gilt. Reformen wie die GATS-Verträge (international) und der Bologna-Prozess (Europa) lassen das humanistische Ideal von einer am Gemeinwohl orientierten, zur kritischen Reflektion anleitenden Bildung verkommen.

Widerstand bildet sich, der Bildungsstreik in Deutschland fordert u. a. die soziale Öffnung der Hochschulen, um Zulassungsbeschränkungen abzubauen und mehr Studienplätze anzubieten, die Studiengebühren abzuschaffen und die Gebührenfreiheit von Bildung gesetzlich zu verankern. Des Weiteren setzen sich die Demonstranten und Streikenden für die Abschaffung des Bachelor/Master-Systems in seiner derzeitigen Auslegung ein, um vom Bachelor als Regelabschluss wieder Abstand zu nehmen und die mit dem Bachelor/Master-System einhergehenden Studienbedingungen, wie Verschulung, Regelstudienzeit und Dauerüberprüfung zu ändern, Schwerpunkte im Studium setzen zu können und Mobilität zwischen den Hochschulen nicht nur auf dem Papier verankert zu haben, sondern tatsächlich auch in der Realität. Weitere Forderungen sind die Demokratisierung des Bildungssystems sowie die Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen für die Studenten.

Nach dem Vorbild der Studenten in Österreich, die mit den Besetzungen im Oktober 2009 begannen, wurden im Zuge der Studentenproteste Hörsäle in zahlreichen deutschen Universitäten besetzt, zunächst in Heidelberg, Münster und Hamburg, dann auch in ganz Deutschland. Obwohl sich viele Universitätsleitungen hinter die Forderungen der Besetzer stellten, wurden sie teilweise von der Polizei aus besetzten Hörsälen heraus transportiert. Strafanzeigen folgten häufig wegen Hausfriedensbruch.

Parteien und Organisationen stellen sich oft hinter die Forderungen des Bildungsstreiks, doch die Demonstranten müssen sich auch der Kritik ihrer Aktionen stellen. So bemängeln andere Studenten, dass ganze Vorlesungen aufgrund der Besetzer ausfallen müssen, da diese zumeist die größten Hörsäle der Universität besetzt halten.

Ob es zu langfristigen Lösungen der Probleme mit dem Bachelor-/Master-System kommt, ist bisher nicht absehbar.